Anima. Der Roman
Kim Kestner
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Kim Kestner_c_privatKim Kestner, 1975 in Gifhorn geboren, studierte visuelle Kommunikation und leitete eine Marketing-Agentur, bevor sie mit dem Schreiben begann. Seither veröffentlicht sie erfolgreich Jugendromane. Ihre Zeitrausch-Trilogie wurde als zweitbestes eBook mit dem Lovelybooks-Publikumspreis ausgezeichnet. „Anima“ ist ihr erstes Buch beim Arena Verlag. Kim Kestner wohnt mit ihrer Familie südlich von Hamburg.

www.kim-kestner.de

 

Interview

Liebe Frau Kestner, bitte stellen Sie sich mit drei Adjektiven vor.

Ganz ohne Synonym-Wörterbuch? *grins*
Na gut, ich versuch`s mal: spontan – ideenreich – beharrlich

Anima ist nicht Ihr erstes Buch – aber das erste, das gedruckt erscheint. Wie stellen Sie sich das Gefühl vor, das erste Exemplar in den Händen zu halten?

Ich habe eine absolut genaue Vorstellung davon. Genau der Gedanke daran hat mich die letzten Monate des Schreibprozess hochgehalten. Immer wenn die Motivation eingeknickt war, habe ich an den wunderschönen Schutzumschlag gedacht, mir vorgestellt, wie das Hardcover in meiner Lieblingsbuchhandlung zwischen all den Autoren steht, die ich seit Jahren bewundere. Das hat Wunder gewirkt . Da flossen die Worte wieder aufs Papier.
Tatsächlich habe ich Anima schon vorbestellt und da ich den Tag nicht genau kenne, an dem es geliefert werden wird, werde ich irgendwann im Februar einen Anruf der Buchhandlung erhalten. Auf diesen Augenblick freue ich mich besonders.
Ach ja, Schriftsteller und ihre Träume … ;-)

Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie die ersten Zeilen von Anima schrieben?

Nein, ehrlich gesagt nicht mehr. Aber ich erinnere mich an den Prolog, den ich einige Wochen später schrieb, und wo ich plötzlich das Gefühl hatte: Das ist es. Irgendwie brachte er die Geschichte auf den Punkt und ich wusste, worauf ich den Fokus legen musste. Ich würde gern behaupten, es war Fügung, aber es war wohl reiner Zufall. Hm … oder doch nicht?

Was brauchen Sie unbedingt beim Schreiben?

Ruhe. Mein Telefon ist ausgestellt, ich verkrieche mich in mein Schreibzimmer und werde echt biestig, wenn ich gestört werde. Ich versuche mich immer in die aktuelle Szene hineinzusteigern, wenn dann ein Kundenberater anruft und fragt, wie zufrieden ich mit dem Service seiner Firma war, kann ich von vorn beginnen. Ich bin überhaupt nicht multitaskingfähig. Mich lenkt alles ab. Am besten setzt man mich zwei Monate vor Abgabetermin in einen Schallschutzraum.

Was macht Ihnen beim Schreiben Spaß?

Zu behaupten, es sei kein Traumberuf, wäre gelogen. Es ist schon richtig, richtig toll zu schreiben. Ich kann gar nicht sagen, was mir am meisten Spaß macht. Die Phase, in der ich eine Story entwickle, ständig mit Papier und Bleistift herumlaufe, um irgendwelche abstrusen Ideen zu notieren … Die ist schon richtig spannend. Und ich liebe es, wenn es zu fließen beginnt. Wenn mir die Figuren und Handlungsorte so vertraut sind, dass sich die Geschichte von selbst schreibt, weil mein Held nur noch so reagieren kann, wie er es tut, weil er plötzlich real wird mit all seinen Vorzügen und Macken.

Gibt es auch Facetten am Autoren-Dasein, die Sie am liebsten abschaffen würden?

Abschaffen … Nein, das nicht. Aber eine Kehrseite des Schreibens ist, dass man sehr, sehr lange auf ein Feedback wartet. Natürlich finde ich meine Geschichte toll, sonst würde ich sie ja gar nicht abgeben, aber wie geht es den Lesern damit? Deren Stimme ist wichtig, nicht meine, oder die meiner Familie, die ohnehin alles super findet, was ich tue. Also schreibe ich etwa ein Jahr lang, dann folgen zwei, drei Monate Lektorat, bei dem in erster Linie (und das soll auch so sein) kritisiert wird. Und dann – nach etwa 1 ½ Jahren – kommt der Moment, wo die ersten Rezensionen veröffentlicht werden und ich meinen Schreibgott anflehe, sie mögen gut sein. Zum Glück habe ich meistens Grund, mich zu freuen, und sauge die Worte in mich auf. Sie sind der schönste Lohn, den man sich vorstellen kann.

In Anima geht es, auch wenn es ein Fantasy-Roman ist, genau genommen um die großen Fragen des Lebens: Um Gut und Böse, um Moral und Liebe. Sind Sie Philosophin?

Philosophin? *Lach* Nein, das bin ich nicht. Es gab mal eine Phase in meinem Leben, zu der auch auberginefarbene Haare gehörten, in der ich stundelang mit einem russischen Künstler über die großen Fragen des Lebens debattiert habe, aber das macht mich natürlich nicht zur Philosophin. Ich denke ganz einfach, dass uns diese Kernfragen am meisten beschäftigen. Zumindest wenn wir Zeit zum Träumen oder Nachdenken haben. Ich finde, sie sind es wert, sich mit ihnen zu befassen.

Können Sie uns ein bisschen über die Schauplätze in Anima erzählen?

In Anima sind drei Schauplätze vorherrschend: ein Feriendorf in dem Nationalpark Acadia in den USA, eine winzige Insel vor Grönland und ein Palast in Rom. Sie könnten sich kaum mehr voneinander unterscheiden.
Den Nationalpark habe ich gewählt, weil ich einen begrenzten Handlungsort erschaffen wollte. Außerdem habe ich eine Zeit in den USA gelebt und viele Nationalparks besucht. Acadia ist einer der schönsten. Ich musste aufpassen, mich nicht in Naturbeschreibungen zu verlieren .
Nach dem etwa ersten Drittel in Acadia sollte es eigentlich danach für meine Protagonisten auf eine Insel nahe der Karibik gehen, aber egal, wem ich davon erzählte, die Reaktion war die gleiche: “Wie in Twilight?” Also habe ich gedacht: Okay, dann eben das genaue Gegenteil. Keine romantische Insel mit Villa, sondern eiskalte Einöde mit Bruchbude. Die Entscheidung war richtig, meine Protagonisten konnten gar nicht anders, als sich an diesem furchtbar trostlosen Ort miteinander zu beschäftigen.
Der Palast in Rom war für mich der einzig logische Handlungsort für das letzte Drittel. Nur kann ich leider nicht verraten weshalb. *Spoileralarm*

Die Protagonistin hat einen christlichen Hintergrund. Haben Sie sich für Anima mit theologischen und Glaubensfragen beschäftigt?

Ja … das habe ich tatsächlich recht viel. Ich bin in einem wenig gläubigen Elternhaus aufgewachsen und habe später im Erwachsenenleben keinen logischen Grund gefunden, an Gottes Existenz zu glauben. Aber irgendwann häufen sich Dinge, die mich quasi darauf stießen, dass es noch mehr geben muss als den Kreislauf des Lebens. Plötzlich türmten sich die Fragen und beim Schreiben von Anima muss die Protagonistin ihren Glauben auch komplett neu überdenken. Da fließt natürlich unvermeidlich das Thema Kirche ein, zumal der Papa meiner Heldin Pastor ist. Aber die Geschichte beschäftigt sich – genau wie ich – eher nicht mit Bibelthemen, oder dem klassischen christlichen Glauben, sondern mehr mit allgemeinen ethischen Fragen.

Wie stehen Sie zu den beiden Protagonisten Ihres Buches, Abigale und Juspinn?

Also, in Jus bin ich natürlich verliebt und auf Abby deshalb ganz schön eifersüchtig ;)
Aber im Ernst. Noch hänge ich sehr an ihnen. Sie sind so lebendig für mich geworden, doch ich weiß, dass ich sie bald in die Schublade „Alte Freunde, die man nur noch selten trifft“ stecken werde, wenn ich mit meinem neuen Buch beginne.